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Regional

Gründungsberatung Hessen: Coaches, Förderung und Anlaufstellen

Von Martin StiffelAktualisiert am 6 Min. Lesezeit

In Hessen wurden 2025 wieder deutlich mehr Unternehmen gegründet: 63.885 Gewerbeanmeldungen, ein Plus von 5 Prozent nach drei schwachen Jahren. Und Hessen fördert Gründungsberatung großzügiger, als die meisten wissen: bis zu 75 Prozent des Beraterhonorars übernimmt das Land, maximal 540 € je Beratungstag. Fünf Tage Beratung kosten dich damit statt 3.600 € nur noch 900 € netto. Dieser Überblick zeigt dir, wie du an diese Förderung kommst, welche Anlaufstellen kostenlos beraten und welche Programme sich für dich wirklich lohnen.

Wo bekommst du in Hessen kostenlose Gründungsberatung?

Die erste Anlaufstelle kostet dich nichts. Hessen hat zehn Industrie- und Handelskammern und drei Handwerkskammern, alle mit kostenloser Erstberatung, auch ohne Mitgliedschaft.

  • Die zehn IHKs: Darmstadt Rhein Main Neckar, Frankfurt am Main, Fulda, Gießen-Friedberg, Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, Kassel-Marburg, Lahn-Dill, Limburg, Offenbach am Main und Wiesbaden. Sie beraten zu Businessplan, Rechtsform und Marketing und arbeiten außerdem als Förderlotsen, führen dich also zu KfW, WIBank und Bürgschaftsbank Hessen.
  • Die drei Handwerkskammern: Frankfurt-Rhein-Main, Kassel und Wiesbaden. Nur diese drei, auch wenn manche Ratgeberseiten mehr auflisten. Die HWK Wiesbaden bietet zusätzlich Sprechtage in Wetzlar an.
  • Institut für Freie Berufe (IFB): Wenn du freiberuflich startest, ist das IFB die passende Adresse. Es sitzt in Nürnberg, betreut aber bundesweit und hat eine eigene Hessen-Anlaufstelle. Es ist keine hessische Landeseinrichtung, das wird oft verwechselt.
  • Einheitlicher Ansprechpartner Hessen: Das Portal eah.hessen.de bündelt die behördliche Seite, also alles rund um Anmeldungen und Genehmigungen.

Wie groß dieser kostenlose Kanal ist, zeigt eine Zahl: IHKs und Handwerkskammern in Hessen haben im Jahr 2024 rund 18.900 Informations- und Beratungsgespräche mit Gründerinnen und Gründern geführt, und der Beratungsbedarf ist seitdem weiter gestiegen. Für die Formalitäten danach helfen dir Gewerbeanmeldung Schritt für Schritt und Fragebogen zur steuerlichen Erfassung.

Wie funktioniert die Beratungsförderung des Landes?

Das eigentliche Landesinstrument ist die geförderte Gründungsberatung über das RKW Hessen. Rechtsgrundlage ist die Landesrichtlinie zur Gründungs- und Mittelstandsförderung, Fördergeber ist das Hessische Wirtschaftsministerium, bewilligt wird über die WIBank. Die Fördermittel für 2026 sind freigegeben, das Programm läuft.

Die Konditionen im Klartext:

  • Beraterhonorar: 720 € je Tag zuzüglich Umsatzsteuer.
  • Förderung: bis zu 75 Prozent, maximal 540 € je Beratungstag.
  • Dein Eigenanteil: 180 € netto je Beratungstag.
  • Umfang: ein bis maximal 15 Beratungstage, je nach Bedarf.
  • Erstgespräch: kostenfrei.

Ein Punkt, der über alles entscheidet: Dieses Programm ist eine Vorgründungs-Beratung. Deine Gründung darf bis zum Beratungsbeginn noch nicht abgeschlossen sein. Wer bereits angemeldet hat, fällt in die Beratung für kleine und mittlere Unternehmen, die anderen Regeln folgt, oder weicht auf die BAFA-Förderung aus. Kläre das im kostenfreien Erstgespräch, bevor du planst.

Das Rechenbeispiel des RKW selbst: Fünf Beratungstage kosten regulär 3.600 €, mit Förderung zahlst du 900 €. Aufgepasst bei der Umsatzsteuer, die wird nicht gefördert und fällt auf den vollen Betrag an, im Beispiel also 684 €. Wenn du vorsteuerabzugsberechtigt bist, holst du sie dir zurück, sonst ist sie ein echter Kostenpunkt. Rechne also mit 900 € plus 684 € Umsatzsteuer.

Beraten wird an zwei Standorten: Kelsterbach für Süd- und Mittelhessen, Kassel für Nord- und Osthessen.

Welche Finanzierungsprogramme hat Hessen?

Die Förderbank des Landes ist die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) mit Sitz in Offenbach. Der Antrag läuft in der Regel über einen Kooperationspartner wie IHK, Handwerkskammer oder RKW, nicht direkt bei der Bank.

  • Hessen-Mikrodarlehen: das wichtigste Produkt für kleine Gründungen. Darlehen von 3.000 € bis 35.000 €, sieben Jahre Laufzeit, und, das ist der entscheidende Punkt, ohne bankübliche Sicherheiten. Voraussetzung ist eine vorherige Beratung bei einem WIBank-Kooperationspartner. Genau hier greift die Kette ineinander: erst Beratung über das RKW, dann Mikrodarlehen.
  • Hessen Kapital: Beteiligungskapital für wachstumsorientierte Unternehmen, Investitionsvolumen im sechs- bis siebenstelligen Bereich. Für die typische Solo-Gründung überdimensioniert, für skalierende Vorhaben interessant.
  • Bürgschaftsbank Hessen: springt ein, wenn deiner Hausbank die Sicherheiten fehlen. Der Weg dorthin führt meist über die Bank selbst.

Eine Zahl, die derzeit falsch durchs Netz geht: Der Hessische Industrie- und Handelskammertag fordert eine Anhebung des Mikrodarlehens auf 50.000 €. Das ist eine politische Forderung, keine geltende Regel. Die reale Obergrenze liegt weiterhin bei 35.000 €. Wenn du irgendwo 50.000 € liest, plane nicht damit.

Zur Einordnung, welche Finanzierung überhaupt zu deinem Vorhaben passt, hilft KfW-Gründerkredit: welcher passt zu mir? und Finanzierungsplan für Gründer.

Welche bundesweite Förderung gilt auch in Hessen?

BAFA-Beratungsförderung

Die Förderung unternehmerischen Know-hows des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle steht dir offen, wenn du deinen Berater frei wählen möchtest. Hessen zählt zu den alten Bundesländern:

  • Fördersatz 50 Prozent der Beratungskosten.
  • Bemessungsgrundlage maximal 3.500 €, der Zuschuss beträgt also höchstens 1.750 €. Seit dem 15. November 2025 gilt: Vorsteuerabzugsberechtigte rechnen netto, alle anderen, etwa Kleinunternehmerinnen, werden brutto bewertet.
  • Maximal fünf Beratungen im Förderzeitraum, höchstens zwei pro Kalenderjahr.
  • Reihenfolge beachten: erst Antrag, dann Ankündigungsschreiben abwarten, dann Beratervertrag, dann Beratung. Wer früher startet, geht leer aus.

Ein verbreiteter Irrtum, dem du im Netz häufig begegnest: Mehrere Ratgeberseiten behaupten, Existenzgründer und Jungunternehmen bekämen unabhängig von der Region automatisch 80 Prozent. Das steht so nicht in der geltenden Förderrichtlinie. Die Richtlinie unterscheidet nach dem Standort der Betriebsstätte, nicht nach dem Alter des Unternehmens. In Hessen sind es 50 Prozent. Die aktuelle Richtlinie gilt für Anträge bis zum 31. Dezember 2026. Mehr dazu in BAFA-Beratungsförderung für Gründer.

AVGS-Gründungscoaching

Wenn du arbeitslos gemeldet bist oder Bürgergeld beziehst, ist der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein der stärkste Hebel: Das Coaching ist für dich vollständig kostenfrei, gezahlt wird direkt an den Träger.

Für die Heranführung an eine selbständige Tätigkeit nach § 45 Absatz 1 Satz 1 Nummer 4 SGB III weist die Bundesagentur für Arbeit seit dem 1. Juli 2026 einen Bundesdurchschnittskostensatz von 88,11 € je Maßnahmestunde als Einzelmaßnahme aus, im Gruppenformat 15,46 €. Daran kannst du ablesen, welchen Gegenwert dein Gutschein hat.

Dein Coach muss AZAV-zertifiziert sein und die Maßnahme eine gültige Maßnahmenummer haben. Wie du das prüfst, steht in AVGS-Maßnahmenummer prüfen, den Antragsweg beschreibt AVGS beantragen.

Gründungszuschuss und Einstiegsgeld

Beides sind Leistungen zur Sicherung deines Lebensunterhalts in der Startphase, keine Beratungsförderung. Für beide brauchst du eine fachkundige Stellungnahme, die dir in Hessen unter anderem IHKs, Handwerkskammern, Steuerberater und Banken ausstellen. Der Unterschied zwischen beiden steht in Gründungszuschuss vs. Einstiegsgeld.

Gründercoaches in Hessen finden

In unserem Verzeichnis findest du die Beraterinnen und Berater aus Hessen gebündelt unter Gründercoaches in Hessen. Eine Auswahl:

Achte bei der Auswahl auf zwei Dinge: Passt die Branchenerfahrung zu deinem Vorhaben, und ist der Coach AZAV-zertifiziert, falls du mit einem AVGS kommst. Was ein Coaching üblicherweise kostet, steht in Was kostet AVGS-Coaching wirklich?.

Welcher Weg passt zu deiner Situation?

  • Du bist arbeitslos gemeldet: Sprich deine Vermittlungsfachkraft auf den AVGS an. Das ist der einzige Weg zu einem vollständig finanzierten Coaching. Den Rahmen erklärt Gründen aus Arbeitslosigkeit.
  • Du willst intensive Begleitung über mehrere Tage und hast noch nicht gegründet: Die RKW-Beratung mit 75 Prozent Förderung ist in Hessen der beste Hebel. Bis zu 15 Tage sind möglich, dein Eigenanteil liegt bei 180 € netto je Tag.
  • Du hast schon gegründet: Die RKW-Gründungsberatung ist für dich gesperrt, sie greift nur vor der Gründung. Für dich bleiben die BAFA-Förderung und, falls du arbeitslos gemeldet bist, der AVGS.
  • Du hast schon einen bestimmten Berater im Kopf: Dann ist die BAFA-Förderung dein Weg, weil du dort frei wählst. Dafür nur 50 Prozent statt 75.
  • Du brauchst kleines Startkapital ohne Sicherheiten: Das Hessen-Mikrodarlehen von 3.000 € bis 35.000 € ist genau dafür gemacht. Voraussetzung ist eine vorherige Beratung, hol dir also erst die geförderte Beratung, dann das Darlehen.
  • Du gründest nebenberuflich: Prüfe zuerst, was arbeitsrechtlich und steuerlich gilt. Der Einstieg steht in Nebenberuflich gründen.
  • Du brauchst eine fachkundige Stellungnahme: IHKs, Handwerkskammern, Steuerberater und Banken stellen sie aus. Du brauchst sie für Gründungszuschuss und Einstiegsgeld.

Häufige Fragen

Gibt es in Hessen einen Zuschuss zur Gründungsberatung?

Ja. Über die Landesrichtlinie zur Gründungs- und Mittelstandsförderung werden bis zu 75 Prozent des Beraterhonorars übernommen, maximal 540 € je Beratungstag. Abgewickelt wird das über das RKW Hessen, die Fördermittel für 2026 sind freigegeben. Wichtig: Es ist ein Vorgründungsprogramm, deine Gründung darf zum Beratungsbeginn noch nicht abgeschlossen sein. Einen separat benannten „Coaching-Gutschein“ wie in anderen Bundesländern gibt es in Hessen nicht.

Was kostet mich die geförderte Gründungsberatung in Hessen konkret?

Das Beraterhonorar liegt bei 720 € je Tag zuzüglich Umsatzsteuer. Nach Abzug der Förderung von maximal 540 € bleibt ein Eigenanteil von 180 € netto je Beratungstag. Bei fünf Tagen zahlst du also 900 € statt 3.600 €. Die Umsatzsteuer wird nicht gefördert und fällt auf den vollen Betrag an.

Wie viele Beratungstage kann ich fördern lassen?

Ein bis maximal 15 Tage, je nach Bedarf. Das Erstgespräch ist kostenfrei und zählt nicht mit.

Wie hoch ist die BAFA-Förderung in Hessen?

Hessen gehört zu den alten Bundesländern. Damit werden 50 Prozent der Beratungskosten gefördert, bei einer Bemessungsgrundlage von maximal 3.500 €, also höchstens 1.750 € Zuschuss. Anders als oft behauptet gibt es keine automatische 80-Prozent-Förderung für Jungunternehmen, die Richtlinie unterscheidet nach Standort, nicht nach Unternehmensalter. Seit dem 15. November 2025 werden die Kosten bei nicht vorsteuerabzugsberechtigten Antragstellern brutto bewertet.

Wie hoch ist das Hessen-Mikrodarlehen?

Zwischen 3.000 € und 35.000 €, bei sieben Jahren Laufzeit und ohne bankübliche Sicherheiten. Voraussetzung ist eine vorherige Beratung bei einem Kooperationspartner der WIBank. Eine Anhebung auf 50.000 € wird politisch gefordert, gilt aber nicht.

Welche Förderbank ist in Hessen zuständig?

Die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) in Offenbach. Anträge laufen über Kooperationspartner wie IHK, Handwerkskammer oder RKW, nicht direkt bei der Bank.

Wie viele Gründungen gibt es in Hessen pro Jahr?

2025 gab es in Hessen 63.885 Gewerbeanmeldungen, ein Plus von 5 Prozent nach drei schwachen Jahren. Gleichzeitig gingen die Abmeldungen auf 52.319 zurück. Unter dem Strich stehen damit rund 11.500 Betriebe mehr als im Vorjahr. 79 Prozent der Gründungen waren Einzelunternehmen. Quelle ist das Gründungsbarometer Hessen 2026 des Hessischen Industrie- und Handelskammertags, veröffentlicht im Juli 2026.

Wo in Hessen wird am meisten gegründet?

Gemessen an der Gründungsintensität je 1.000 Einwohner lag der IHK-Bezirk Offenbach vorn, gefolgt von Frankfurt, Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern und Wiesbaden. Beraten wird aber flächendeckend, auch in Nord- und Osthessen über den RKW-Standort Kassel.

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