Versicherungen für Gründer: Was Pflicht ist – und was wirklich sinnvoll
Kaum bist du selbstständig, klingelt das Telefon: Versicherungsvertreter, die dir am Gründungstag zehn Policen verkaufen wollen. Die Wahrheit ist: Du brauchst nur wenige Versicherungen wirklich – aber die sind entscheidend. Dieser Leitfaden trennt Pflicht von Kür, nennt dir die aktuellen Zahlen für 2026 und zeigt, wie du dich mit kleinem Budget richtig absicherst.
Das Wichtigste in Kürze:
Wirklich verpflichtend für (fast) alle ist nur die Krankenversicherung. Einzelne Berufe – etwa Heilberufe, Anwälte oder Architekten – brauchen zusätzlich eine gesetzlich vorgeschriebene Berufshaftpflicht (Übersicht bei Für-Gründer.de). Alles andere ist sinnvoll, aber freiwillig – und richtet sich nach deinem konkreten Risiko.
Inhalt
- Welche Versicherungen sind für Gründer Pflicht?
- Krankenversicherung: gesetzlich oder privat?
- Berufs- und Betriebshaftpflicht – wer braucht was?
- Einkommen absichern: Berufsunfähigkeit
- Weitere sinnvolle Versicherungen
- Diese Versicherungen brauchst du meist nicht
- So priorisierst du mit kleinem Budget
- Häufige Fragen
Welche Versicherungen sind für Gründer Pflicht?
Ob eine Versicherung wirklich Pflicht ist, hängt vor allem von deiner Branche ab. Drei Fälle solltest du kennen:
Krankenversicherung – für jeden Pflicht. Jede Person in Deutschland muss krankenversichert sein, egal ob angestellt oder selbstständig. Als Selbstständiger trägst du den Beitrag allerdings allein – es gibt keinen Arbeitgeberanteil mehr.
Berufshaftpflicht – Pflicht für bestimmte Berufe. Heilberufe (Ärzte, Apotheker, Hebammen, Physiotherapeuten), aber auch Rechtsanwälte, Steuerberater und Architekten sind gesetzlich oder über ihre Kammer verpflichtet, eine Berufshaftpflicht abzuschließen.
Rentenversicherung – Pflicht für einige Selbstständige. Bestimmte Gruppen wie Handwerker in zulassungspflichtigen Gewerken, Lehrer, Erzieher oder Pflegekräfte unterliegen der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht. Prüfe das früh – Nachzahlungen sind teuer.
Krankenversicherung: gesetzlich oder privat?
Die Krankenversicherung ist deine wichtigste Entscheidung. Du hast zwei Wege:
Freiwillig gesetzlich (GKV): Der Beitrag richtet sich nach deinem Einkommen. 2026 liegt die Beitragsbemessungsgrenze bei 5.812,50 € im Monat – mehr Einkommen wird nicht verbeitragt. Für Gründer mit geringem Gewinn gibt es eine Mindestbemessungsgrundlage von rund 1.318 € im Monat, auf die mindestens Beiträge fällig werden. Zum allgemeinen Beitragssatz kommt der kassenindividuelle Zusatzbeitrag, der 2026 im Schnitt bei etwa 2,9 % liegt. Konkrete Zahlen findest du in unserem Detailartikel Krankenversicherung für Selbstständige.
Privat (PKV): Der Beitrag richtet sich nicht nach dem Einkommen, sondern nach Alter, Gesundheitszustand und Leistungsumfang. Für junge, gesunde Gründer ohne Kinder kann die PKV günstiger und leistungsstärker sein – im Alter und bei Familiengründung steigen die Beiträge aber oft deutlich. Der Wechsel zurück in die GKV ist schwierig.
Faustregel für die Gründungsphase: Wer schwankende oder anfangs niedrige Einnahmen hat, fährt mit der freiwilligen gesetzlichen Versicherung meist sicherer und flexibler.
GKV oder PKV – was passt zu dir? Diese Entscheidung trägt dich Jahrzehnte. Lass sie dir nicht von einem Provisionsverkäufer abnehmen, sondern hol dir unabhängigen Rat.
Berufs- und Betriebshaftpflicht – wer braucht was?
Beide schützen vor Schäden, die du anderen zufügst – aber für unterschiedliche Tätigkeiten.
Berufshaftpflicht: Für beratende und behandelnde Berufe – Coaches, Berater, Heilberufe, Anwälte. Sie deckt Vermögensschäden ab, also Schäden, die durch einen Fehler in deiner Arbeit entstehen (z. B. ein falscher Rat, der dem Kunden Geld kostet). Für viele Freiberufler ist sie das A und O – Kosten oft ab rund 5–10 € im Monat.
Betriebs-/Gewerbehaftpflicht: Für Betriebe mit Kundenkontakt, Räumen oder Mitarbeitern. Sie deckt Personen- und Sachschäden ab – etwa wenn ein Kunde in deinem Geschäft stürzt oder du beim Kunden etwas beschädigst. Für Handwerker, Händler und Gastronomen praktisch unverzichtbar.
Viele Solo-Dienstleister brauchen vor allem die Berufshaftpflicht, viele Gewerbetreibende vor allem die Betriebshaftpflicht. Manche Anbieter kombinieren beides in einer Police.
Einkommen absichern: Berufsunfähigkeit
Das größte unterschätzte Risiko ist, dass du selbst ausfällst. Als Selbstständiger hast du keine Lohnfortzahlung und meist keinen Anspruch aus der gesetzlichen Rente. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ersetzt dein Einkommen, wenn du aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kannst. Je jünger und gesünder du beim Abschluss bist, desto günstiger der Beitrag – deshalb lohnt sich der frühe Abschluss. Als günstigere Alternative gibt es Grundfähigkeits- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherungen.
Ebenfalls wichtig, aber langfristig: deine Altersvorsorge. Wer nicht ohnehin rentenversicherungspflichtig ist, sollte früh eigenständig vorsorgen.
Weitere sinnvolle Versicherungen
Je nach Geschäftsmodell können diese sinnvoll sein:
Rechtsschutzversicherung (gewerblich) – wenn du häufig Verträge schließt oder mit Zahlungsausfällen rechnest.
Cyberversicherung – wenn du mit sensiblen Kundendaten oder Online-Shops arbeitest.
Inhalts-/Inventarversicherung – wenn du teure Ausstattung oder Warenlager hast.
Betriebsunterbrechungsversicherung – wenn dein Betrieb bei Ausfall hohe Fixkosten weiterträgt.
Diese Versicherungen brauchst du meist nicht
Lass dir keine Police aufschwatzen, die dein konkretes Risiko nicht trifft. Viele Solo-Gründer brauchen keine teure Betriebsunterbrechungs-, Maschinen- oder Spezialpolice, solange sie ohne Mitarbeiter, ohne Lager und ohne große Anschaffungen arbeiten. Die Frage ist immer: Welcher Schaden würde mich ruinieren? Genau diese Risiken versicherst du – und nicht jedes Kleinrisiko, das du selbst tragen kannst.
So priorisierst du mit kleinem Budget
Wenn das Geld zu Beginn knapp ist, gehst du in dieser Reihenfolge vor:
1. Krankenversicherung (Pflicht). 2. Berufs- bzw. Betriebshaftpflicht (je nach Tätigkeit, oft Pflicht oder existenziell). 3. Berufsunfähigkeitsversicherung (schützt dein Einkommen). Alles Weitere folgt, wenn dein Geschäft trägt.
Ein Gründercoach – etwa Franz-Rudolf Borsch oder Jörn Gropp – kann dir helfen, dein tatsächliches Risiko realistisch einzuschätzen, statt auf Verkaufsdruck zu reagieren. Den gesamten Gründungsweg findest du in unserer Anleitung zum Selbstständigmachen.
Häufige Fragen
Welche Versicherung ist für Gründer wirklich Pflicht?
Verpflichtend für jeden ist die Krankenversicherung. Einzelne Berufe – etwa Heilberufe, Anwälte oder Architekten – brauchen zusätzlich eine gesetzlich vorgeschriebene Berufshaftpflicht. Manche Selbstständige sind außerdem rentenversicherungspflichtig.
Was kostet die Krankenversicherung als Selbstständiger 2026?
In der freiwilligen gesetzlichen Versicherung richtet sich der Beitrag nach dem Einkommen, mindestens aber nach rund 1.318 € im Monat. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag liegt 2026 bei etwa 2,9 %, die Beitragsbemessungsgrenze bei 5.812,50 € im Monat. Die private Versicherung berechnet den Beitrag nach Alter und Gesundheit.
Brauche ich als Coach oder Berater eine Berufshaftpflicht?
Sehr zu empfehlen, oft existenziell: Die Berufshaftpflicht deckt Vermögensschäden ab, die durch einen Fehler in deiner Beratung entstehen. Sie kostet häufig nur wenige Euro im Monat und schützt dich vor hohen Forderungen.
Lohnt sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Gründer?
Ja. Als Selbstständiger hast du keine Lohnfortzahlung und meist keinen ausreichenden gesetzlichen Schutz. Die BU ersetzt dein Einkommen, wenn du gesundheitlich ausfällst – je früher du abschließt, desto günstiger.
GKV oder PKV – was ist besser für Gründer?
Pauschal lässt sich das nicht sagen. Für junge, gesunde Gründer ohne Kinder kann die PKV günstiger sein, in der Gründungsphase mit schwankenden Einnahmen ist die freiwillige gesetzliche Versicherung aber oft flexibler und sicherer. Der Rückweg in die GKV ist schwierig.
Welche Versicherungen kann ich mir am Anfang sparen?
Spezial- und Sachpolicen, die dein konkretes Risiko nicht treffen. Solange du ohne Mitarbeiter, Lager und teure Ausstattung arbeitest, brauchst du oft keine Betriebsunterbrechungs- oder Inventarversicherung. Versichere die Risiken, die dich ruinieren würden – nicht jedes Kleinrisiko.
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