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Recht, Steuern & Absicherung

Krankenversicherung für Selbstständige: gesetzlich oder privat?

Von Martin StiffelAktualisiert am 3 Min. Lesezeit

die Krankenversicherung ist für Selbstständige eine der größten laufenden Kostenpositionen und eine der wichtigsten Entscheidungen beim Start in die Selbstständigkeit. Gesetzlich oder privat? Was kostet was? Und welche Versicherung ist für wen sinnvoll? Dieser Guide beantwortet alle wesentlichen Fragen, mit aktuellen Zahlen für 2026.

Die Grundregel: Pflichtversicherung für Selbstständige

In Deutschland besteht Versicherungspflicht, auch für Selbstständige. Wer gründet, muss sich innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme der Tätigkeit versichern. Es gibt keine Ausnahmen.

Selbstständige können frei wählen zwischen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der privaten Krankenversicherung (PKV). Als Selbstständiger zahlst du den vollen Beitrag alleine. Den Arbeitgeberanteil gibt es nicht.

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) für Selbstständige

Mindest- und Höchstbeitrag 2026

Der Mindestbeitrag in der GKV beträgt 2026 rund 278 Euro pro Monat (auf Basis der Mindestbemessungsgrundlage von 1.318,33 Euro, inkl. durchschnittlichem Zusatzbeitrag von 2,9 % und Pflegeversicherung). Er gilt unabhängig davon, ob du im ersten Monat 0 oder 5.000 Euro verdienst.

Der Höchstbeitrag liegt 2026 bei ca. 1.261 Euro pro Monat (Beitragsbemessungsgrenze 5.812,50 €, allgemeiner Beitragssatz 14,6 % + durchschnittlicher Zusatzbeitrag 2,9 % + Pflegebeitrag).

Wie der Beitrag berechnet wird

Die GKV berechnet deinen Beitrag auf Basis des Einkommensteuerbescheids des Vorjahres. Im ersten Jahr der Selbstständigkeit schätzt du dein Einkommen selbst. Tipp: Schätze realistisch niedrig, um laufende Beiträge gering zu halten.

Private Krankenversicherung (PKV) für Selbstständige

Wann lohnt sich die PKV?

Grobe Faustregel: Die PKV lohnt sich für junge, gesunde Selbstständige mit gutem und stabilem Einkommen ab etwa 4.000 bis 5.000 Euro netto pro Monat. Dann sind PKV-Beiträge oft günstiger als GKV-Höchstbeiträge, bei gleichzeitig besseren Leistungen.

Für wen die PKV problematisch ist: Gründer in der Anfangsphase mit schwankendem Einkommen, Eltern (Kinder sind nicht mitversichert), und Menschen, die langfristig wieder in die GKV wollen (Rückkehr ist nach 55 fast unmöglich).

PKV-Beiträge für Selbstständige 2026

Ein gesunder 30-Jähriger zahlt in einem guten Tarif ca. 350 bis 450 Euro pro Monat, ein 45-Jähriger eher 500 bis 700 Euro. Dazu kommt der Pflegeversicherungsbeitrag, der in der PKV separat abgeschlossen werden muss.

GKV vs. PKV: Der direkte Vergleich

Kriterium GKV PKV
Beitrag Anfangsphase ca. 278 €/Monat (Mindest) individuell, oft 350 bis 450 €
Beitrag bei hohem Einkommen max. ca. 1.261 €/Monat individuell, oft günstiger
Kinder mitversichert? Ja, kostenlos Nein, eigener Beitrag je Kind
Leistungsumfang Standardleistungen gesetzlich festgelegt individuell je Tarif, oft umfangreicher
Rückkehr zur GKV Nicht nötig Schwierig, ab 55 fast unmöglich
Empfohlen für… Gründer mit schwankendem Einkommen, Familien Junge Gesunde mit stabilem hohen Einkommen

Krankentagegeld: Der unterschätzte Schutz

Als Selbstständiger hast du keinen automatischen Anspruch auf Krankengeld. In der GKV setzt das Krankengeld erst ab der 43. Krankheitswoche ein. Für die ersten 42 Wochen brauchst du Krankentagegeld.

Krankentagegeld ist eine freiwillige Zusatzversicherung. Für Selbstständige ist es keine Luxusoption, sondern existenziell wichtig. Als Faustregel gilt: Karenz ab dem 4. oder 8. Krankheitstag. Das deckt längere Ausfälle ab und hält den Beitrag moderat (ca. 30 bis 80 € pro Monat).

Praktische Tipps zur Wahl und zum Wechsel

Nutze unabhängige Vergleichsportale und hole mindestens zwei unabhängige Beratungsgespräche ein: einen bei einem GKV-Berater und einen bei einem PKV-unabhängigen Versicherungsmakler.

Bei der PKV gibt es eine Gesundheitsprüfung. Vorerkrankungen können zu Ausschlüssen oder Ablehnung führen. Beantworte alle Fragen vollständig und wahrheitsgemäß.

Als Selbstständiger kannst du nicht einfach in die GKV zurückwechseln, wenn du zuvor privat versichert warst. Ein Wechsel ist nur möglich, wenn du Arbeitnehmer wirst und unter die Jahresarbeitsentgeltgrenze (2026: 69.300 € brutto) fällst.


Häufige Fragen

Wie hoch ist der GKV-Mindestbeitrag für Selbstständige 2026?

Der Mindestbeitrag in der GKV für freiwillig versicherte Selbstständige beträgt 2026 rund 278 Euro pro Monat inklusive Pflegeversicherung und durchschnittlichem Zusatzbeitrag.

Kann ich mich als Selbstständiger in der GKV der Eltern familienversichern lassen?

Nein, Familienversicherung ist nur für nicht erwerbstätige oder geringfügig beschäftigte Angehörige möglich. Sobald du eine selbstständige Tätigkeit aufnimmst (über 538 €/Monat), entfällt die Familienversicherung automatisch.

Zahlt die GKV auch Krankengeld für Selbstständige?

Die GKV zahlt Krankengeld für freiwillig versicherte Selbstständige erst ab der 43. Krankheitswoche. Für die ersten 42 Wochen gibt es kein gesetzliches Krankengeld. Deshalb ist eine Krankentagegeldversicherung dringend empfohlen.

Lohnt sich die PKV auch bei schwankendem Einkommen als Gründer?

In der Regel nicht. Bei schwankendem Einkommen kann die GKV günstiger sein, weil der Mindestbeitrag greift. Die GKV bietet mehr Planungssicherheit für Gründer mit unklarer Einkommensentwicklung.

Was kostet die Krankenversicherung im ersten Jahr konkret?

In der GKV zahlst du den Mindestbeitrag von ca. 278 Euro pro Monat. In der PKV zahlt ein gesunder 30-Jähriger ca. 350 bis 450 Euro. Dazu kommen ca. 30 bis 80 Euro für Krankentagegeld.

Ich war vorher privat versichert. Wie wechsle ich in die GKV?

Als Vollzeit-Selbstständiger ist ein Wechsel in die GKV in der Regel nicht möglich. Ein Wechsel geht nur, wenn du Arbeitnehmer wirst und unter die Jahresarbeitsentgeltgrenze fällst. Lass dich von einem unabhängigen Versicherungsmakler beraten.

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