Du willst dich selbstständig machen und fragst dich, wie du dein Angebot aufbauen sollst? Es ist verlockend, „alles“ anzubieten – schließlich kannst du ja viel. Aber genau das ist der Fehler, den 90 % der Gründer machen. Ohne klare Positionierung verlierst du dich in Austauschbarkeit, und deine potenziellen Kunden wissen nicht, was sie von dir erwarten sollen.

Diese Anleitung zeigt dir, warum Positionierung nicht optional ist, sondern der Fundament deines Erfolgs.


Inhalt

  1. Was bedeutet Positionierung wirklich?
  2. Die Positionierungsformel: Einfach und praktisch
  3. Zielgruppe definieren: Wem hilfst du wirklich?
  4. Das Problem benennen: Was treibt deine Zielgruppe in den Wahnsinn?
  5. Die falsche Angst: „Ich verliere ja dann Kunden“
  6. Spezialisierung vs. Austauschbarkeit
  7. Positionierung schärfen: Praktische Übung
  8. Die ersten 6 Monate: Testen und Anpassen
  9. Häufige Fragen

Was bedeutet Positionierung wirklich?

Positionierung ist nicht Marketing-Geschwurbel. Es bedeutet: Du legst fest, wem du helfen willst, welches Problem du löst, und wie du das anders machst als alle anderen.

Das ist keine Einschränkung. Das ist Klarheit. Und Klarheit zieht Menschen an – besonders die, die du wirksam unterstützen kannst.

Eine klare Positionierung hat drei konkrete Vorteile:

1. Du wirst für die richtigen Menschen sichtbar

Wenn du alles anbietest, findest dich niemand, der eine konkrete Lösung braucht. Wenn du aber sagst „Ich helfe Handwerksbetrieben, ihre Kundengewinnung zu digitalisieren“, dann wissen genau die richtigen Menschen, dass sie bei dir richtig sind.

2. Du hebst dich von Konkurrenz ab

Der generische Business Coach gibt es zuhauf. Der Coach, der speziell mit Solo-Selbstständigen arbeitet, die in den ersten 3 Jahren scheitern, ist einzigartig. Spezialisierung ist dein Unterscheidungsmerkmal.

3. Du verdienst mehr Geld

Spezialisten können höhere Preise nehmen. Der generische Berater konkurriert auf dem Preis. Der Experte für eine bestimmte Zielgruppe verkauft Ergebnisse, nicht Stunden.


Die Positionierungsformel: Einfach und praktisch

Es gibt viele komplexe Modelle. Hier ist die einzige, die du wirklich brauchst:

Ich helfe [Zielgruppe], [ihr Problem] zu lösen, indem ich [deine Methode] nutze.

Beispiele:

  • Ich helfe Handwerkern, ihre Website selbst zu bauen, ohne dabei 5.000 € auszugeben, indem ich ihnen ein modulares System zeige.
  • Ich unterstütze Mütter, die Karriere mit Familie verbinden wollen, dabei, eine neue Routine zu finden, die zu ihrem Leben passt.
  • Ich begleite Coaches beim Aufbau ihres Online-Business, damit sie nicht länger von einzelnen Kunden abhängen, sondern skalierbare Produkte verkaufen.

Erkennst du das Muster? Jede Aussage beantwortet drei Fragen:

  1. Wen hilfst du? (Konkrete Zielgruppe, nicht „Unternehmer“ oder „Menschen“)
  2. Welches Problem löst du? (Das, was deine Zielgruppe wirklich plagt)
  3. Wie machst du es? (Was ist deine besondere Herangehensweise?)

Zielgruppe definieren: Wem hilfst du wirklich?

Der häufigste Fehler: „Meine Zielgruppe sind kleine und mittlere Unternehmen.“

Das ist nicht präzise genug. Es gibt tausend Arten von KMU. Ein Malermeister mit 5 Mitarbeitern hat komplett andere Probleme als ein Software-Startup mit 20 Entwicklern.

Stattdessen fragst du dich:

  • Wen verstehst du am besten? (Wem kannst du am meisten helfen?)
  • Wer hat Geld für deine Lösung? (Achtung: Geld und Bedarf sind zwei verschiedene Dinge)
  • Wen willst du jeden Tag sehen? (Wenn du die nächsten 5 Jahre mit dieser Zielgruppe arbeitest, magst du sie noch?)

Die beste Zielgruppe ist oft dein ehemaliger Selbst. Ein Buchhalter, der Gründer werden will, versteht die Angst vor Fehlentscheidungen besser als jeder andere. Ein Manager, der raus aus der Angestelltenposition möchte, weiß genau, was Burnout ist.


Unsicher, wie du am besten vorgehst?Ein erfahrener Gründercoach hilft dir, den richtigen Weg zu finden – oft sogar kostenlos über einen AVGS-Gutschein.

Gründercoach in deiner Nähe finden →

Das Problem benennen: Was treibt deine Zielgruppe in den Wahnsinn?

Auch hier ein häufiger Fehler: Das Problem zu allgemein zu formulieren.

Falsch: „Unternehmer haben Schwierigkeiten mit Marketing.“

Richtig: „Solo-Selbstständige im B2B-Service können nicht kalt akquirieren, ohne dabei unprofessionell zu wirken – und LinkedIn verstehen sie nicht.“

Das zweite Problem ist konkret. Es ist emotionaler. Es ist etwas, das du lösen kannst.

Frag deine potenziellen Kunden direkt:

  • Was war dein größtes Problem, bevor du [Lösung] gefunden hast?
  • Wie lange hast du mit diesem Problem gekämpft?
  • Was hat es dich gekostet (Zeit, Geld, Schlaf)?

Aus diesen Antworten entsteht deine Problemdefinition.


Die falsche Angst: „Ich verliere ja dann Kunden“

Das ist die klassische Angst aller Gründer. „Wenn ich mich auf eine Nische konzentriere, verpasse ich doch Geld.“

Gegenteil. Hier ist, was wirklich passiert:

Mit breitem Angebot: Du nimmst jeden Kunden an. Du wirst immer alles adaptieren. Du verdienst weniger pro Projekt. Die Zufriedenheit ist mittelmäßig.

Mit klarer Positionierung: Du nimmst nur Kunden an, die perfekt passen. Die Projekte sind vorhersehbar. Du verdienst mehr. Die Zufriedenheit ist hoch.

Ein spezialisierter Freelancer mit 5 gut-bezahlten Kunden verdient mehr und arbeitet entspannter als ein generischer mit 15 Kleinkunden.


Spezialisierung vs. Austauschbarkeit

Hier die unbequeme Wahrheit: Wenn du alles machst, was viele andere auch machen, bist du austauschbar.

Austauschbarkeit führt zu:

  • Preiskampf (wer am billigsten ist, gewinnt)
  • Ständiger Akquisitions-Stress (du musst immer neue Kunden suchen)
  • Weniger Auftrag-Sicherheit (Kunden wechseln schnell)
  • Keine Empfehlungen (niemand kann dich konkret weiterempfehlen)

Spezialisierung führt zu:

  • Höheren Preisen (Spezialisten kosten mehr)
  • Weniger Akquisitions-Stress (die richtigen Kunden finden dich)
  • Mehr Empfehlungen (Kunden wissen genau, wem sie dich empfehlen sollen)
  • Langfristige Kundenbeziehungen

Du willst es richtig machen?Ein Gründercoach kennt die typischen Stolperfallen und spart dir teure Umwege.

Jetzt Coach finden →

Positionierung schärfen: Praktische Übung

Nimm dir 30 Minuten Zeit und beantworte diese Fragen schriftlich:

1. Wen verstehst du am besten?

(Deine ideale Zielgruppe – so konkret wie möglich)

2. Welches Problem löst du für diese Zielgruppe?

(Das wichtigste, brennendste Problem)

3. Wie machst du es anders?

(Was ist deine besondere Methode oder Perspektive?)

4. Welches Ergebnis erreichen deine Kunden?

(Was ist konkret besser nach deiner Unterstützung?)

5. Warum bist du der Richtige dafür?

(Erfahrung, Expertise, Leidenschaft – sei ehrlich)

Schreib deine Antworten auf. Das Ergebnis ist nicht perfekt – das ist okay. Positionierung entwickelt sich im Tun. Aber ab sofort hast du ein Fundament.


Die ersten 6 Monate: Testen und Anpassen

Deine Positionierung ist nicht in Stein gemeißelt. Es ist normal, dass sich deine Sicht schärft, wenn du die ersten Kunden betreust.

Beobachte diese drei Dinge:

  • Welche Kunden bringen die meiste Zufriedenheit?
  • Welche Projekte waren am erfolgreichsten?
  • Wofür bekommst du die meisten Empfehlungen?

Nach 6–12 Monaten weißt du mehr. Dann kannst du nachjustieren. Das ist nicht Planlosigkeit – das ist agiles Arbeiten.


Häufige Fragen

Wie lange dauert es, eine gute Positionierung zu finden?

Rechne mit 2–4 Wochen für eine erste Arbeitsfassung. Die meisten Gründer schärfen ihre Positionierung in den ersten 6–12 Monaten anhand realer Kundenerfahrungen weiter nach. Perfektion am Anfang ist nicht nötig – Klarheit schon.

Kann ich meine Positionierung später noch ändern?

Ja, und das ist völlig normal. Positionierung ist kein Tattoo, sondern ein lebendiger Prozess. Viele erfolgreiche Unternehmer haben ihre Positionierung zwei- oder dreimal angepasst, bevor sie den Sweet Spot gefunden haben. Wichtig ist nur, dass du nicht ständig wechselst, sondern bewusst nachjustierst.

Was mache ich, wenn meine Nische zu klein ist?

Teste es. Wenn du nach 3 Monaten aktiver Akquise nicht genug Interessenten findest, erweitere deine Zielgruppe schrittweise. Lieber zu eng starten und öffnen als zu breit anfangen und unsichtbar bleiben. Häufig ist die Nische größer als gedacht – du erreichst sie nur noch nicht.

Brauche ich eine Positionierung, wenn ich Freiberufler bin?

Gerade dann. Freiberufler konkurrieren oft mit vielen anderen Anbietern. Eine klare Positionierung ist der schnellste Weg, aus der Masse herauszustechen. Ob Designer, Berater oder Coach – wer klar sagen kann, wem er wobei hilft, gewinnt die besseren Aufträge.

Wie finde ich heraus, was meine Zielgruppe wirklich braucht?

Frag sie. Führe 5–10 Gespräche mit potenziellen Kunden und stell offene Fragen: Was ist gerade dein größtes Problem? Was hast du schon versucht? Wofür würdest du sofort Geld ausgeben? Die Antworten sind wertvoller als jede Marktanalyse.

Hilft ein Gründercoach bei der Positionierung?

Absolut – das ist sogar einer der häufigsten Gründe, warum Gründer einen Coach aufsuchen. Ein erfahrener Gründercoach bringt den Blick von außen mit, stellt die richtigen Fragen und hilft dir, blinde Flecken zu erkennen. Über einen AVGS-Gutschein ist das oft kostenlos.

Du willst nicht allein gründen?Finde einen erfahrenen Gründercoach in deiner Nähe – kostenlos und unverbindlich.

Jetzt Coach finden →

Über den Autor

Martin Stiffel ist Unternehmer, Coach und Sparringspartner für Solo-Selbstständige mit über 25 Jahren Erfahrung im Aufbau und in der Führung von Unternehmen. Als Gründer der rückenwind Marketing GmbH und der PROJEKT B Akademie GmbH begleitet er Gründer auf dem Weg in eine erfolgreiche Selbstständigkeit.